Natasa Konopitzky

Imre Kormos

Zweiteiliges Radio-Feature gesendet am 25. und 26. Dezember 2018 auf Ö1.
Meine Mutter hat immer schlecht über ihren Ziehvater geredet: Imre Kormos soll unnahbar gewesen sein, egozentrisch, und außerdem ein Angeber. Er hat behauptet, 1944 in Budapest als Nazi verkleidet Juden gerettet zu haben. Meine Mutter konnte das nie glauben: Wie soll einer, der selbst Jude ist, in Nazi-Uniform herumspazieren und anderen Juden das Leben retten? In einer Zeit, in der Hunderttausende ungarische Juden (...)


Edi Freudmann • Benjamin Kaufmann

SMASHED TO PIECES (IN THE STILL OF THE NIGHT)

Der Schriftzug SMASHED TO PIECES (IN THE STILL OF THE NIGHT) ist zunächst nüchterne Beschreibung eines Vorgangs. Die beiden Fragen, die sich zuerst aufdrängen, sind die nach Subjekt und Objekt des ersten Teils des Satzes. In der ersten Installation der Arbeit in der Jubiläumsausstellung zum zwanzigjährigen Bestehen der Galerie Winter 1990 erlaubte der Kontext der Galerieausstellung hier jene Ambiguität, die Lawrence Weiner in all seinen Werken sieht, die allerdings der späteren Installation am (...)


Moishe Postone

Nationalsozialismus und Antisemitismus

Die öffentliche Diskussion über Antisemitismus und Nationalsozialismus ist in Westdeutschland gekennzeichnet durch den Gegensatz zwischen Liberalen und Konservativen auf der einen, Linken auf der anderen Seite. Liberale und Konservative haben, wo sie sich mit dem Nationalsozialismus beschäftigen, ihre Aufmerksamkeit auf die Verfolgung und Ausrottung der Juden konzentriert, andere für den Nationalsozialismus zentrale Gesichtspunkte dagegen vernachlässigt. Damit sollte und soll auch der angeblich (...)


Der Sand aus den Uhren

Die Bildlosigkeit angesichts des Unabbildbaren schreibt die Demut vor den Toten vor, Sprachlosigkeit angesichts des Unbesprechbaren aber würde sie verraten. Wenn aber auch der Versuch zu Sprechen misslingt, bleibt als Äußerstes noch das zu tun: auf das Schweigen aufmerksam zu machen.
Der Band liefert neue Texte über die Möglichkeiten der Produktion von Kunst nach Auschwitz. Post War, Postmoderne, Contemporary, Postcontemporary: Der Kunstbegriff hat sich seit Adornos berühmtem Diktum, nach (...)


Manfred Sohn

Zum Grundsatzprogramm der AfD*

2.100 Mitglieder der Aktion für Deutschland (AfD) hatten sich Ende April/Anfang Mai 2016 für ein Wochenende in der Stuttgarter Messehalle versammelt, um ihr erstes Grundsatzprogramm zu beschließen. Wir werden das Programm also nicht als Steinbruch für griffige Agitation verwenden, sondern vor allem dazu, den Charakter dieser Partei besser zu verstehen. Vierzehn Kapitel umfasst das Papier nach der Präambel. In der Präambel wird das Selbstbild gleich in den ersten drei Sätzen zusammenfasst: „Wir (...)

Die LICRA in Österreich

Die LICRA wurde 1927 als eine der ersten modernen Nichtregierungsorganisationen gegründet und hält heute Beobachterstatus bei der UNO und der OSZE. Sie setzt sich gegen alle Formen der Diskriminierung, Menschenverachtung sowie gegen Politiken und Ideologien der Ungleichheit ein. Heute zählt sie mehr als 4000 Mitglieder und organisiert über 100 Veranstaltungen im Jahr. Neben der Zentrale in Paris unterhält die LICRA weltweit Niederlassungen in elf Ländern, darunter an den UNO-Sitzen New York und Genf, sowie am UNO- und OSZE-Sitz Wien.
Die österreichische Sektion der LICRA wurde 2001 gegründet. Zu den Aktivitäten der LICRA Österreich zählen den Werten der LICRA verpflichtete Symposien, Ausstellungen und Publikationen. Im Rahmen dieser Arbeit kooperierte die LICRA Österreich mit ENARA – European Network Against Racism, der Friedrich and Lillian Kiesler Stiftung, dem Institut für Konfliktforschung, Radio Ö1 und dem UNHCR. Zu den Vortragenden und Autoren der LICRA Österreich zählen Ivan Fischer, Ágnes Heller, Ruth Klüger, Robert Schindel, Rudolf Scholten, und Gáspár Miklós Tamás.