Marmor. Bronze. Verantwortung.
Sonntag 7. November 10:15-21:30
mumok Hofstallungen,

Museumsplatz 1, 1070 Wien

Marmor. Bronze. Verantwortung.

Kolloquium für Veränderung am Lueger-Platz

Die Diskussion um das Ehrenmal für Karl Lueger ist älter als das Ehrenmal selbst. Im Zuge der Protestbewegungen nach dem Mord an George Floyd wurde das Ehrenmal in einer Intervention als „Schande“ markiert. Diese Beschreibung war Anstoß zu einer Reihe von Petitionen, performativen Interventionen und Meinungsartikeln im vergangenen Jahr. Unter diesen Aktionen war ein von der LICRA koordinierter Aufruf von fünfzig prominenten Persönlichkeiten des Wiener Wissenschafts-, Kunst- und Kulturlebens mit folgendem Wortlaut: „Das Karl-Lueger-Ehrenmal und der Dr.-Karl-Lueger-Platz ehren einen der prononciertesten Antisemiten des 19. Jahrhunderts. Diese Ehrung ist selbst antisemitisch und verfälscht Geschichte. Wir fordern daher eine Veränderung an Platz und Ehrenmal, die unmissverständlich jede Ehrung Luegers verunmöglicht.“ 
Es ist seither gelungen herauszuarbeiten, dass es sich nicht um ein „neutrales Denkmal“, sondern um ein Ehrenmal handelt. Die Ehrung Luegers manifestiert sich in seiner überlebensgroßen Figur, seinem mit Gold geschmückten Namen, den Reliefen und Standbildern, die seine Taten preisen, und der Benennung des Platzes nach ihm.
 Durch die sechs Panels, welche unter anderem die Kompetenzen von Historikerïnnen, Rechtsextremismusforscherïnnen, Kunsthistorikerïnnen, Aktivistïnnen und Künstlerïnnen bündeln, soll die laufende Meinungsdebatte auf eine wissenschaftliche Basis gestellt werden. In der historischen Perspektive werden die Person Luegers und die Ikonographie und Ideologie des Ehrenmals ebenso beleuchtet wie die Geschichte der Gegnerschaft zum Ehrenmal. Mit Blick auf die Zukunft werden Gegendenkmale, der Umgang mit öffentlichem Raum und die Frage, ob die Entfernung des Ehrenmals Geschichtsauslöschung bedeutet – wie in der laufenden Debatte so häufig behauptet wird –, verhandelt.

CoViD-19-Konzept und Registrierung

2G plus Registrierung – Einlass nur für genesene und geimpfte Personen, mit Ausnahme jener, die sich aus medizinischen (Attest) oder Altersgründen (amtlicher Lichtbildausweis) nicht impfen lassen können.
Für die Teilnahme an dem Kolloquium ist eine Registrierung verpflichtend. Die Registrierung kann vor Ort erfolgen, um schnelleren Einlass ermöglichen empfehlen wir jedoch eine Vorabregistrierung. Schicken Sie dafür bitte Namen, E-Mail-Adressen und 2-G Nachweis aller Personen, die sie registrieren wollen, bis zum 5. November an rsvp licra.at.

Stream

Das Kolloquium wird vom mumok hier live gestreamt.
Eine Aufzeichnung wird nach der Veranstaltung zur Verfügung stehen.

Programm

Sonntag, 7. November 2021
mumok Hofstallungen, Museumsplatz 1, 1070 Wien
freier Eintritt

10:00 Einlass
10:30 Begrüßungen: Rainer Fuchs, Ruth Sonderegger, Alain David
Grußwort: Edmund de Waal

11:00 Wer war Lueger? Wer ist Lueger?
Einführung: Barbara Staudinger
Panel: Tim Corbett, Doron Rabinovici, Bernhard Weidinger
Moderation: Renata Schmidtkunz

12:30 Josef Müllner – Ikonographie und Ideologie des Ehrenmals
Einführung: Luisa Ziaja
Panel: Harald D. Gröller, Judith Goetz, Elke Krasny
Moderation: Vanessa Spanbauer

14:00 Lunch (kosher/vegan)

15:00 100 Jahre Gegnerschaft zum Ehrenmal
Einführung: Lucile Dreidemy
Panel: Edi Freudmann, Daniela Hammer-Tugendhat, Maria Mayrhofer
Moderation: Rainer Schüller

16:30 Das Gegendenkmal
Einführung: Sabeth Buchmann
Panel: Zuzanna Dziuban, Johann Hartle, Tanja Schult
Moderation: Mary M. Lane

18:00 Kaffeepause (kosher/vegan)

18:30 Platznahme und Platzname
Einführung: Gerald Bast
Panel: Deborah Hartmann, Gabu Heindl, Sylvie Liska, Florian Wenninger
Moderation: Benjamin Kaufmann

20:00 Bedeutet Entfernung Geschichtsauslöschung?
Einführung: Urte Evert
Panel: Veronica Kaup-Hasler, Willi Mernyi, Ariel Muzicant, Dirk Rupnow
Moderation: Alexandra Föderl-Schmid

Presserückfragen

Thomas Marschall
presse licra.at; +43 699 10528007

Konzeption

Benjamin Kaufmann, Ruth Sonderegger

Mit bestem Dank an






Kurzbiographien

Gerald Bast ist Rektor der Universität für angewandte Kunst Wien, Mitglied des Representative Boards der European League of Institutes of the Arts und Mitglied der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste.

Sabeth Buchmann ist Professorin für Kunstgeschichte der Moderne und Nachmoderne und Vorstehende des Instituts für Kunst- und Kulturwissenschaften der Akademie der bildenden Künste Wien. Sie ist Mitglied des Beirats der Texte zur Kunst.

Tim Corbett ist Historiker. Er war Fellow am Wiener Wiesenthal Institut für Holocaust-Studien, am Center for Jewish History und am Museum of Jewish Heritage. Zuletzt erschien Die Grabstätten meiner Väter. Die jüdischen Friedhöfe in Wien bei Böhlau.

Alain David ist Directeur de programmes des Collège International de Philosophie in Paris und Vorstandsmitglied der LICRA International. Es ist Autor von Racisme et antisémitisme. Essai de philosophie sur l’envers des concepts, das einem Vorwort von Jacques Derrida bei ellipses erschienen ist.

Lucile Dreidemy hält eine Postdoc-Stelle am Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien. Sie war Maître de conférences an der Universität Toulouse, Mellon Visiting Lecturer der University of Chicago und Visiting Scholar der Harvard University.

Zuzanna Dziuban hält eine Senior Postdoc-Stelle am IKT der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Sie war Fellow an der Humboldt Universität zu Berlin, am International Institute for Holocaust Research Yad Vashem und am Wiener Wiesenthal Institut für Holocaust-Studien.

Urte Evert ist Leiterin des Museums Zitadelle Spandau. Seit 2016 wird im Proviantmagazin der Zitadelle die Dauerausstellung Enthüllt. Berlin und seine Denkmäler gezeigt. Dort sind Denkmale, die einst das Berliner Stadtbild prägten, versammelt.

Alexandra Föderl-Schmid ist stellvertretende Chefredakteurin der Süddeutschen Zeitung. Sie war Chefredakteurin und Co-Herausgeberin der Tageszeitung Der Standard. Sie ist Mitglied des Advisory Boards des Reuters Institute der Universität Oxford.

Edi Freudmann ist Künstler und setzt sich in seiner Arbeit intensiv mit Erinnerung auseinander. 2020 initiierte er die Schandwache am Lueger-Ehrenmal. Die von ihm mitgestaltete Intervention um die Weinheber-Büste gilt als Musterbeispiel gelungener künstlerischer Kontextualisierung.

Rainer Fuchs ist Chefkurator und stellvertretender Direktor des mumok. Im Mai war er Teilnehmer des geladenen Forums zur Zukunft des Lueger-Ehrenmals im Wiener Rathaus. Aktuell zu sehen ist die von ihm co-kuratierte Sammlungsausstellung enjoy am mumok.

Judith Goetz ist Literatur- und Politikwissenschaftlerin am Zentrum für Lehrer*innenbildung der Universität Wien. Sie ist Mitglied der Forschungsgruppe Ideologien und Politiken der Ungleichheit sowie des Forschungsnetzwerks Frauen und Rechtsextremismus.

Harald D. Gröller ist Historiker und Literaturwissenschaftler. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen Wien in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und insbesondere auch der Personenkult um Lueger.

Daniela Hammer-Tugendhat ist emeritierte Professorin für Kunstgeschichte der Universität für angewandte Kunst Wien. Sie ist Vorstandsmitglied des IFK, Beiratsmitglied des Wien Museums und der Frankfurter Kulturwissenschaftlichen Beiträge und Mitglied des Ulmer Vereins.

Johan F. Hartle ist Rektor der Akademie der bildenden Künste Wien. Er war kommissarischer Rektor und Professor für Kunstwissenschaft und Medientheorie an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe. Er forscht u.a. zu politischer Ästhetik und zur Tradition des Roten Wien.

Deborah Hartmann ist Leiterin des Haus der Wannsee-Konferenz. Zuvor war sie an der International School for Holocaust Studies Yad Vashem für die deutschsprachige Bildungsarbeit verantwortlich. Sie ist Mitglied im wissenschaftlichen Beirat der KZ-Gedenkstätte Mauthausen.

Veronica Kaup-Hasler ist Kultur- und Theaterwissenschaftlerin und Stadträtin der Stadt Wien für Kultur und Wissenschaft. Zuvor war sie Intendantin des Festivals Steirischer Herbst und des Festival Theaterformen. Sie ist Mitglied des Unirats der Akademie der bildenden Künste Wien.

Gabu Heindl ist Architektin und Stadtplanerin. Sie ist Diploma Unit Master der Architectural Association London, Professorin für Städtebau am Nuremberg Institut of Technology und Leiterin des Büros GABU Heindl Architektur in Wien.

Benjamin Kaufmann ist Co-Präsident der LICRA Österreich. Gemeinsam mit Ruth Sonderegger hat er dieses Kolloquium konzipiert. In der Herbst-Ausgabe der kritische berichte der Uni Heidelberg ist ein ausführliches Interview mit ihm zum Lueger-Ehrenmal abgedruckt.

Elke Krasny ist Kuratorin, Kulturtheoretikerin, Stadtforscherin und Professorin für Kunst und Bildung an der Akademie der bildenden Künste Wien. Sie ist Mitglied der #aufstehn-Kommission zur Zukunft des Lueger-Platzes und forscht gemeinsam mit Mechtild Widrich zu Josef Müllner.

Mary M. Lane ist Autorin und Journalistin. Sie war Chief European Art Reporter für das Wall Street Journal und schreibt u.a. für The New York Times und TIME Magazine. Zuletzt erschien Hitler’s Last Hostages über den Fall Gurlitt bei PublicAffairs.

Sylvie Liska ist Kunsthistorikerin sowie Gründerin und Präsidentin der Gesellschaft der Freunde der Secession. Sie war Mitglied der Jury für das Mahnmal für die österreichischen jüdischen Opfer der Schoah.

Maria Mayrhofer ist Geschäftsführerin der zivilgesellschaftlichen NGO #aufstehn, die 2020 eine Kampagne zur Entfernung des Lueger-Ehrenmals startete und 2021 eine Expertïnnenkommission zur Zukunft des Lueger-Platzes ins Leben rief.

Willi Mernyi ist Vorsitzender des Mauthausen Komitees Österreich, Leitender Sekretär des ÖGB und FSG Bundesgeschäftsführer. Er ist Vorstandsmitglied des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstands und Mitglied des ORF Publikumsrats.

Ariel Muzicant ist Vizepräsident des European Jewish Congress und Ehrenpräsident der IKG Wien. Er ist Vorstandsmitglied des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstands sowie des Wiener Wiesenthal Instituts für Holocaust-Studien.

Doron Rabinovici ist Schriftsteller und Historiker. Er ist Sprecher des Republikanischen Clubs – Neues Österreich und war Jurymitglied der von der Universität für angewandte Kunst initiierten Ausschreibung zur Umgestaltung des Lueger-Ehrenmals.

Dirk Rupnow ist Dekan der Philosophisch-Historischen Fakultät der Universität Innsbruck, Professor am Institut für Zeitgeschichte ebenda sowie Mitglied des Internationalen Wissenschaftlichen Beirats des Wiener Wiesenthal Instituts für Holocaust-Studien.

Renata Schmidtkunz ist Moderatorin, Redakteurin und Dokumentarfilm-Regisseurin beim ORF. Sie ist Sendungsverantwortliche der Ö1 Reihe Im Gespräch und erhielt 2020 den Radiopreis der Erwachsenenbildung Österreich.

Rainer Schüller ist stellvertretender Chefredakteur der Tageszeitung Der Standard. Er ist externer Lehrbeauftragter am Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der Universität Wien.

Tanja Schult ist Dozentin für Kunstgeschichte am Institut für Kultur und Ästhetik der Universitet Stockholms. Im Oktober erscheint der von ihr gemeinsam mit Julia Lange herausgegebene Band Was denkt das Denkmal? bei Böhlau.

Ruth Sonderegger ist Professorin für Philosophie und ästhetische Theorie an der Akademie der bildenden Künste Wien. Gemeinsam mit Benjamin Kaufmann hat sie dieses Kolloquium konzipiert und im Oktober 2020 einen Aufruf für Veränderung am Luger-Platz organisiert.

Vanessa Spanbauer ist Journalistin und Historikerin. Sie ist Chefredakteurin des Magazins fresh – Black Austrian Lifestyle und Redaktionsmitglied der an.schläge. Im Projekt Advancing Equality Within The Austrian School System ist sie für Workshops im Medienbereich verantwortlich.

Barbara Staudinger ist Historikerin, Judaistin und Theaterwissenschaftlerin. Sie ist designierte Direktorin des Jüdischen Museums Wien und derzeit Direktorin des Jüdischen Museums Augsburg Schwaben. Für das Wien Museum plante sie eine Ausstellung zu Karl Lueger.

Edmund de Waal ist Künstler, der sich in seiner Arbeit mit Verlust, Erinnerung und Exil auseinan-dersetzt. Seine Familienbiographie Der Hase mit den Bernsteinaugen wurde vielfach ausgezeichnet. Er ist Commander des Order of the British Empire und Trustee des Victoria and Albert Museum.

Bernhard Weidinger ist Politikwissenschaftler und Experte für Rechtsextremismus am Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands und Mitglied der Forschungsgruppe Ideologien und Politiken der Ungleichheit.

Florian Wenninger ist Leiter des Instituts für Historische Sozialforschung sowie Senior Research Fellow am Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien. Sein Forschungsschwerpunkt ist die Geschichte Österreichs im 20. Jahrhundert.

Luisa Ziaja ist Kuratorin für zeitgenössische Kunst an der Österreichischen Galerie Belvedere und Teil des Leitungsteams des /ecm-Masterlehrgangs für Ausstellungstheorie und -praxis an der Universität für angewandte Kunst Wien.