Bis heute ist es mehrheitsgesellschaftlicher Konsens, dass man „hart arbeiten“ soll — zu einer wie auch immer gearteten Form der produktiven Vergesellschaftung hat dies bislang nicht beigetragen. Keiner der in Aussicht gestellten Wirtschaftsaufschwünge hat je für ein qualitatives Mehr an Arbeitsplätzen gesorgt und auch die keynesianische Vollbeschäftigungsideologie muss sich mit dem Problem einer zunehmenden Vermehrung von Bullshit-Jobs in Gleichzeitigkeit mit der staatlichen und privatwirtschaftlichen Vermittlung in sie konfrontiert sehen.
Aus diesem Grund diskutieren wir ältere und jüngere Texte aus dem Context XXI-Archiv zu den Themen Arbeit, Erwerbslosigkeit und Grundeinkommen — mit dem Ziel, das, was ist, zu überwinden.
Texte zur Vorbereitung
- Karl Reitter: Garantiertes Grundeinkommen jetzt!
- André Gorz: Seid realistisch – verlangt das Unmögliche
- François Naetar: Das bedingungslose Grundeinkommen: eine kommunistische Forderung!
Wer mehr zum Thema lesen will findet hier noch reichlich Stoff:
Amelie Lanier hat, da sie selbst noch in der Sommerfrische weilen wird, einen schriftlichen Input angeboten, der ein nicht so günstiges Licht auf das Grundeinkommen wirft:
... und für den Anfang ein paar Grüße aus der Küche:
[...] 99 Prozent der Arbeiter landen zufällig an einem Arbeitsplatz, an dem sie weder „sich selbst“ noch eine ihnen speziell geschenkte Begabung noch eine spezielle Ausbildung „verwirklichen“, sondern Produktteile verwirklichen, bzw. die Chance, sich am Leben zu erhalten. Die heute von „Humanisierung der Arbeit“ reden, sind, wenn nicht einfach Dummköpfe, Zyniker.
FORVM 462-464, Juli 1992, Günther Anders: Die Antiquiertheit des Proletariats
Aus „Jeder Mensch ist gleich an Rechten und Würde geboren und hat daher das Recht auf frei gewählte gute Arbeit“ wird „der Mensch erlangt seine Würde erst durch die Arbeit. Arbeit um jeden Preis ist Bürgerpflicht“.
Streifzüge 77, Januar 2020, Martin Mair: Willkommen im Arbeitslager!
Die technologische Entwicklung, die Forderung nach einer »Humanisierung der Arbeitswelt« bedingen die stärkere Konzentration auf die Mitbestimmung des einzelnen Arbeitnehmers. Gerade in diesem Zusammenhang ist Otto Bauers klare Formulierung auf dem Parteitag im Jahr 1930 heute ebenso aktuell wie damals: »War die Rationalisierung die Antwort des Kapitals auf den Achtstundentag, so mußte die weitergehende Verkürzung der Arbeitszeit die Antwort der Arbeiterklasse auf die Rationalisierung sein!«
FORVM 339-341, Alfred Dallinger: Alle Macht für Otto Bauer!
Die Sozialdemokratie exekutiert ideologisch hegemoniale Auffassungen, die sie selbst favorisiert und produziert. Jene Zeiten, in denen der sozialdemokratische Minister Alfred Dallinger für das bedingungslose Grundeinkommen eintrat, sind längst vorbei.
Grundrisse 24, Dezember 2007, Karl Reitter: Mindestsicherung und ALVG Novelle, oder: wie Menschen auf die Lohnarbeit zugerichtet werden
Das Grundeinkommen öffnet das Tor zu einer nachkapitalistischen Gesellschaft, indem es die Lohnarbeit umso mehr in Frage stellt, je höher die Summe ist, in der es ausbezahlt wird.
Grundrisse 12, Dezember 2004, Karl Reitter: Garantiertes Grundeinkommen jetzt!
Das Grundeinkommen wäre weiters entlastend für die lädierte Psyche vieler Menschen, es hätte entängstigenden Charakter, weil die Bittstellerei und Ansucherei sich doch erheblich minimierte. Das Grundeinkommen wäre zwar kein Schritt aus der Misere, zweifellos aber eine Art Schutzschild in der Misere. Somit soll es nicht verachtet werden.
Streifzüge 35, Oktober 2005, Franz Schandl: Vom Einkommen zum Auskommen
