Nummer 40

Medieninhaberin: Partei „grundrisse“
Herausgeberin: Redaktion „grundrisse“
An dieser Ausgabe haben mitgearbeitet: Martin Birkner, Bernhard Dorfer, Robert Foltin, Markus Grass, Birgit Mennel, Wolfgang Neulinger, Minimol, Franz Naetar, Anton Pam, Mario Plaschke, Karl Reitter, Gerold Wallner
Layoutkonzept & Covergestaltung: Lisa Bolyos unter Verwendung von Fotos aus und über Revolutionen und Protestbewegungen der letzten 2 Jahrhunderte in Ägypten, Chile, Haiti, Iran, Libyen, Mexiko, Polen, Tunesien, und aus „a girl’s guide to taking over the world“
Layout: Karl Reitter
Erscheinungsort: Wien
Herstellerin: Digidruck, 1100 Wien
Offenlegung: Die Partei „grundrisse“ ist zu 100% Eigentümerin der Zeitschrift „grundrisse“. Grundlegende Richtung: Förderung gesellschaftskritischer Diskussionen und Debatten.
Der Inhalt der grundrisse steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation, außer wenn anders angegeben.

Grundrisse

Editorial

Liebe Leserinnen und Leser!

Vor euch liegt die Nummer 40 der grundrisse, Produkt unserer mittlerweile 10jährigen Redaktionstätigkeit. In den Frühzeiten der grundrisse wären wir wohl nicht auf die Idee gekommen, einen Schwerpunkt mit (Welt)Revolution zu betiteln, da hielten wir es noch mit der Kritik der politischen Ökonomie oder mit Theorien von Staat und Klasse. Nicht, dass dies heute nicht auch Thema so mancher Diskussionen der Redaktion und von Artikeln in den grundrissen wäre, aber die historische Entwicklung zeigt unseres Erachtens deutlich, dass Revolutionen auch nach dem vermeintlichen Ende der Geschichte (wieder) auf der Tagesordnung stehen. Entgegen unserer sonstigen Gepflogenheiten wird dieses Editorial nicht dazu benützt, die Texte der Nummer vorzustellen; der eine oder andere Stehsatz ließe ohnehin kaum ernsthafte Rückschlüsse auf die behandelten Thematiken zu. Auch unser revolutionäres Jubiläumsfest wird, wenn ihr diese Zeilen lest, bereits Geschichte sein. Wohin sich die grundrisse in den nächsten 10 Jahren bewegen werden, kann ebenfalls nicht vorausgesagt werden, zu konstatieren wären allenfalls die Fakten: dass trotz einem zufriedenstellenden Level an Abos und einer unseres Erachtens gleichmäßig hohen Qualität der Texte auch Ermüdungserscheinungen in die Arbeit der Redaktion eingeschlichen haben, dass die personelle und damit verbunde alters- und geschlechtsmäßige „Umverteilung“ nach Teilerfolgen vor einigen Jahren weitgehend ausgeblieben ist, dass die (radikale) Linke hierzulande nach wie vor bestenfalls marginale Rolle in der politischen und sozialen Realität darstellt … Versteht dies ruhig auch als Aufruf!

Jetzt aber genug gejammert, nicht zuletzt wollen wir ja mit diesem Heft die unterschiedlichen Aspekte historischer aktueller revolutionärer Bewegungen beleuchten. Lange Zeit gehörte der Begriff der Revolution zum Kernbestand linker Diskussionen. Wenn wir uns aber die Literatur dazu – selbst in den für die Theorieproduktion der Linken „goldenen“ 70er Jahren – ansehen, so ist jenseits historischer Exegesen und ML-Plattitüden nicht sehr viel zu finden. Nicht zuletzt deshalb sahen wir es als Herausforderung, der Aktualität, aber auch der Historizität des Revolutionsbegriffes und seiner politischen Bedeutungen nachzuspüren. Seine Aktualität ist sicher auch der absoluten Unfähigkeit des zeitgenössischen Kapitalismus geschuldet, auch nur graduelle Verbesserungen in den Lebensverhältnissen der breiten Masse zu schaffen – und das angesichts eines noch nie dagewesenen Standes der gesellschaftlichen Produktivkräfte! Es scheint jedenfalls so, dass sich alles ändern muss, damit es nur ein bisschen besser wird. Kapitalismus und Zukunft sind jedenfalls mittlerweile tatsächlich unvereinbar geworden, und auch in Sachen Demokratie gilt es ganz von vorne (wo immer das auch ist) anzufangen. Die von John Holloway beschriebenen zwei Zeiten der Revolution, die un(ver)mittelbare des aufständischen „Ya basta!“ auf der einen, und jene des langsamen und geduldigen des Neuerschaffens alternativer Ökonomien und Institutionen auf der anderen Seite dürften dabei eher die Untergrenze darstellen im Kampf gegen die „homogene und leere Zeit“ (Walter Benjamin) des Kapitals. Die Occupy-Bewegungen, die Aufstände im arabischen Raum und die kollektiven Aneignungen der Jugendlichen in den europäischen Metropolen laufen noch getrennt voneinander. Gemeinsam aber – nicht vereint! – wären sie unwiderstehlich. Lest! Kämpft! Schreibt! Diskutiert! Hört einander zu! Mischt euch ein – auch bei uns!

Grundrisse

Editorial


Bernhard Dorfer

Columbus segelt wieder ... nur ist sie diesmal eine Piratin


Paul Pop

16 Thesen zur Weltrevolution


Diedrich Diederichsen

Pascal Jurt im Gespräch mit Diedrich Diederichsen


Stefan Junker

Die Bolschewiki und die Übernahme der Ministerialbürokratie


Philippe Kellermann

Das Schwere, das schwer zu machen ist

Erbauliches zum 10. Geburtstag der Grundrisse*

Andreas Exner  •  Peter Fleissner

Peak Oil

Wirtschaftliche Folgen und politische Folgerungen

Henning Fischer

Erinnerung, Vergessen und das linke Geschichtsbewusstsein


Gerald Raunig

Molekulare Revolution


Thomas Seibert

Ontologie der Revolution

Elf Thesen zum PRAXIS-Zirkel — heute

Karl Reitter
Werner Bonefeld, Michael Heinrich (Hg.):

Kapital & Kritik

Nach der „neuen“ Marx-Lektüre

Martin Birkner
Bernhard Schmid:

Die arabische Revolution?

Soziale Elemente und Jugendprotest in den nordafrikanischen Revolten

Robert Foltin
Buchbesprechungen

Krise, Proteste, Arbeitskämpfe