Heft 49

Medieninhaber und Herausgeber: Kritischer Kreis – Verein für gesellschaftliche Transformationskunde
Offenlegung: Der Medieninhaber ist zu 100 Prozent Eigentümer der Streifzüge und an keinen anderen Medienunternehmen beteiligt. Grundlegende Richtung: Kritik und Perspektive
Redaktion (zugleich Mitglieder des Leitungsorgans des Medieninhabers): Andreas Exner, Lorenz Glatz, Severin Heilmann, Franz Schandl, Martin Scheuringer, Ricky Trang, Maria Wölflingseder, Petra Ziegler; Covergestaltung: Isalie Witt; Layout: Françoise Guiguet
Transformationsrat: Christoph Adam (Santiago de Compostela), Dora de la Vega (Cordoba, Argentinien), Peter Klein (Nürnberg), Paolo Lago (Verona), Neil Larsen (Davis, USA), Massimo Maggini (Livorno), Stefan Meretz (Berlin), † Pichl Peter (Wien), Erich Ribolits (Wien), Salih Selcuk (Istanbul), Gerburg Vermesy (Hamburg), Ulrich Weiß (Berlin)
Copyleft: Alle Artikel der Streifzüge unterliegen, sofern nicht anders gekennzeichnet, dem Copyleft-Prinzip: Sie dürfen frei verwendet, kopiert und weiterverbreitet werden unter Angabe von Autor/in, Titel und Quelle des Originals sowie Erhalt des Copylefts.
Druck: H. Schmitz, 1200 Wien

Andreas Exner

Einlauf

Staat muss sein. Das scheint Credo fast aller sozialer Bewegungen zu sein. Veränderung wird hier letztlich immer von oben her gedacht. Der Sinn sozialer Bewegung scheint sich in dieser Sicht darauf zu beschränken, den Staat auf Missstände aufmerksam zu machen. Man will ihn auf die eigene Seite ziehen, aber nicht, dass er verschwinde, nein. Vielmehr soll er der Wirtschaft Regeln verpassen. Man meint, daran krankt’s. Tatsächlich tappt eins damit nur in die Falle, die der Staat uns stellt.

Unser von der Konkurrenz zerrissenes soziales Beziehungsfeld kann überhaupt nur existieren, wenn sich der Zusammenhang von den Beziehungen scheinbar abtrennt — in die „relative Autonomie“ (Nicos Poulantzas) des Staates. Diese ungute Situation leidet an einem ständigen Widerspruch. Einerseits sind die Individuen Wirtschaftssubjekte, die objektiv und vorab bestimmte Interessen verfolgen, die im Gegensatz zueinander stehen: die Kapitalisten wollen Profit, Lohn, wer davon leben muss. Andererseits erscheint der Staat als Verkörperung einer politischen Sphäre „allgemeinen Wohls“ jenseits von Konkurrenz und Gegensätzen. Dort kann mensch per Votum für eine Partei mitbestimmen — und ganz staatskonform eben jenes System der Konkurrenz befestigen, das die sozial Bewegten zu Recht kritisieren. Konformität mit dem Staat heißt hier: Akzeptanz des Privateigentums, von Markt und Kapital; Akzeptanz der Trennung von Ökonomie und Politik, Öffentlich und Privat.

Fast zwanzig jahre nach der Auflösung der UdSSR sollte sich von selbst verstehen, dass man das Kapital nicht durch Verstaatlichung aufheben kann; und dass das personifizierte Kapital, der Kapitalist, nur seine Erscheinungsform verändert, wenn die politische Klasse die Funktion des Managements übernimmt. Es sollte sich auch von selbst verstehen, dass ein staatlich geplanter oder „regulierter“ Markt in keiner Weise eine Alternative zur real existierenden Marktwirtschaft darstellt. Da dem nicht so ist, gibt’s diese Nummer.

Andreas Exner

Einlauf


Emmerich Nyikos

Schattenwelt oder: Das postmoderne Verschwinden des Werts

Überlegungen zu einer Theorie der Unwirklichkeit

Andreas Exner  •  Petra Ziegler

Kein Staat zu machen

Oder: Warum Keynes unsexy ist

Alfred Fresin

Der bürgerliche Staat

Kritik und Alternativen

Franz Schandl

Das Besondere und das Allgemeine

Spurenelemente einer Kritik des Staates. Inklusive Hegels Hymnen

Peter Samol

Wahl und Qual

Von der Unterschiedslosigkeit der Parteien

Lorenz Glatz  •  Paolo Lago

Die Angst Italiens vor den Fremden


Peter Pott

Staat ohne Staatsapparat


Joachim Hirsch

Krise und staatliche Transformation


Andreas Exner  •  Dominika Meindl  •  Martin Scheuringer

Der Staat und ich


Andreas Exner

Die „Große Transformation“ zur „Großen Kooperation“

Commons, Markt, Kapital und Staat

Lorenz Glatz

Die „Konsumismusglocke“


Andreas Exner

Dissidenz


Maria Wölflingseder
Dead Men Working

Zustände


Roger Behrens
Rückkopplungen

Realismus


Stefan Meretz
Immaterial World

Kritische Kategorien


Franz Schandl
jour fixe initiative berlin (Hg.):

Souveränitäten

Von Staatsmenschen und Staatsmaschinen

Andreas Exner
„... ums Ganze!“-Bündnis (Hg.):

Staat, Weltmarkt und die Herrschaft der falschen Freiheit