Stephan Grigat

Liebe Leserin, lieber Leser!

Manchmal könnte alles ganz einfach sein. Man bräuchte sich nur an die Gesellschaftskritikerin Ulrike Meinhof zu erinnern und wüßte, daß Protest bedeutet, zu sagen, daß einem dieses und jenes nicht paßt, Widerstand jedoch meint, dafür Sorge zu tragen, daß das, was einem nicht paßt, auch nicht mehr stattfindet. Und schon wüßte man, womit wir es momentan in Österreich zu tun haben. Da sich aber heute kaum noch jemand für Meinhof interessiert, sind wir mit Bürgern und Bürgerinnen konfrontiert, die meinen, Teil einer Widerstandsbewegung zu sein, wenn sie mit Kochtöpfen durch die Straßen lärmen.

Diese Bewegung gibt es nun seit einigen Monaten. Trotzdem scheint niemand zu wissen, wie es im und nach dem Sommer damit weitergeht. Um die Reflexion über das bisher Geschehene ein wenig anzuregen, finden Sie in dem vorliegenden Doppelheft einen kleinen Schwerpunkt zu Protest und Widerstand, bei dem es uns wichtig war, die damit im Zusammenhang stehenden Probleme nicht ausschließlich anhand der aktuellen Aktivitäten in Österreich gegen die schwarz-blau-braune Koalition zu thematisieren. So finden sie in dem Heft auch einen einführenden Beitrag über VertreterInnen einer der ambitioniertesten Richtungen emanzipativer Gesellschaftskritik: die Situationisten. Von ihnen stammen auch die Abbildungen im Schwerpunkt. Wir haben sie dem Ausstellungskatalog Situationistische Internationale 1957 — 1972 und der Textsammlung Der Beginn einer Epoche (Edition Nautilus) entnommen.

In Anknüpfung an den Artikel über „Globalisierten Konkurrenzkapitalismus“ im letzten Heft schildert Alexander Schürmann-Emanuely Ansätze zum Protest gegen neoliberale Umstrukturierungen und zur Zügelung des Kapitalismus. Die Debatte darüber möchten wir im nächsten Heft von Context XXI vor dem Hintergrund der bevorstehenden IWF- und Weltbanktagung in Prag mit weiteren Beiträgen zur Internationalisierung des Kapitalverhältnisses fortsetzen.

Eine Debatte, die schon länger in unserer Zeitschrift geführt wird, ist jene über die Gründe für den Jugoslawienkrieg. Nachdem Uli Krug in Heft 4-5/99 auf Hannes Hofbauers Ausführungen in Heft 3/99 geantwortet hatte, greift nun Gerhard Scheit Krugs Gedanken auf und weist auf die Besonderheiten deutscher Projektionsleistungen im Krieg gegen Jugoslawien hin.

Um derartigen Diskussionen auch weiterhin ein Forum bieten zu können, sind wir um die Weiterentwicklung des Projektes Context XXI bemüht. Im Rahmen unserer Bemühungen um eine verstärkte Vernetzung und Zusammenarbeit mit gesellschaftskritischen Initiativen hat sich unsere Redaktion erweitert. Zum einen freuen wir uns, Robert Kogler als neuen Redakteur vorstellen zu dürfen. Zum anderen wird die Ökologische Linke ihre Zeitschrift radix einstellen und arbeitet nun in Gestalt von Marianne Kreutzer und Thomas Schmidinger, der unseren LeserInnen bereits als Autor bekannt ist, bei Context XXI mit.

Eine andere Neuerung betrifft die Funktion des koordinierenden Redakteurs. Ab Juli werden die mit dieser Funktion verbundenen Aufgaben von einem oder einer anderen RedakteurIn erledigt werden, da ich anderen Verpflichtungen nachzukommen habe, und mich daher auf diesem Wege von ihnen, liebe Leserin und lieber Leser, als koordinierender Redakteur verabschiede.